155: poetischer act bein frisör

Sendetitel: poetischer act bein frisör

diese poetische „performance“ wurde im august 2012, vormittags, im halleiner salon „frisuren aller art“  mitgeschnitten. die 4 literatInnen robert Franz Achleitner, Yve Gedl, Peter Kronreif und Eva Winglemayer waren eingeladen, während des laufenden Frisörbetriebs aus ihren Werken zu lesen. Ein grosses Danke an die Frisörmeister Helmut Graupner & Denan Gianny Sehic!!

Autoren, Regie, Technik: A: Franz R. Achleitner, Peter Kronreif, Eva Wingelmayer, Yve Gredl. R: Andreas Kuntner, T: Wally Rettenbacher.

die Sendung   zum nachhören und zum download:  auf  cba.fro.at 

die Frisörmeister Helmut Graupner und denan Gianny Sehic. www.frisurenallerart.atFoto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

die Frisörmeister Helmut Graupner und denan Gianny Sehic. http://www.frisurenallerart.at
Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Einige Textauszüge mit freundlicher Genehmigung der AutorInnen:

Franz Robert Achleitner. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012, andreas Kuntner

Franz Robert Achleitner. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012, andreas Kuntner

Franz Robert Achleitner.

…wir werden uns selbst überholt haben

aus der bewegung in der Zeit durch den Raum.

Aus einem uns möglichen Weltbild hinaus,

hinter den Bildbildern und Weltwelten entschwunden.

mit den Jahren sind aber ebenjene Lebensräume in Bewegung geraten.

Mit linearer Vermessenheit schnüren wir uns seither den Spielraum spürbar enger.

Mit jeder Saison katastrophaler. Die Kataloge sind am Bersten.

Reihum platzen die Konten.

Plakate schweigen kopfüber ächzend im Wind, der an den Monopolen rüttelt.

Unruhig flimmern die Trends von den beleuchteten Wänden…….

Und nie Zeit. Nirgendwo mehr Raum…..

(aus: advertising versus Ökotising)

Franz Robert Achleitner, Wally Rettenbacher. Im Hintergrund Peter Kronreif. Foto:TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012. Mit Eva Wingelmayer, Franz Robert Achleitner, Peter Kronreif und Yve Gedl. Frisöre: Helmut Graupner & Denan Gianny Sehic. Regie: Andreas Kuntner. Technik: Wally Rettenbacher. — mit Wally Re und Yve Gedl.

Franz Robert Achleitner, Wally Rettenbacher. Im Hintergrund Peter Kronreif. Foto:TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012. Mit Eva Wingelmayer, Franz Robert Achleitner, Peter Kronreif und Yve Gedl. Frisöre: Helmut Graupner & Denan Gianny Sehic. Regie: Andreas Kuntner. Technik: Wally Rettenbacher. — mit Wally Re und Yve Gedl.

F.R. Achleitner, geboren im astrologischen zeichen des Schützen, 1955 in Linz/OÖ. herangewachsen im Mühlviertler Dorf Saxen, Bezirk Perg.

Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Salzburg. Zuweilen auch bildender Künstler in der Natur: „land-art“ Projekte. Seit geraumen Zeiten darf er sich in der wunderschönen Gaissau unter`m Schmittenstein am Sehen und Gehen in noch unverlorener Natur erfreuen…..seinen Pflichten als Sportplatz- und Liftwart steht dem ganz und gar nicht entgegen……

der Wirtshausdichter Pter Kronreif. Foto: Serie Toruism, Andreas Kuntner Wunderkammer

der Wirtshausdichter Pter Kronreif. Foto: Serie Toruism, Andreas Kuntner Wunderkammer

Peter Kronreif

21 Zeilen an einen Unbestechlichen

 In den ruhmreihen Annalen

eines geknechteten Volkes

stets gepriesener Philosoph

heiterer Prophet der Phantasie

glaub mir dies:

auch wenn die Lakaien des Kapitals

sehr viel dafür zahlen

verkaufen wir unsre Ideale nie

Ohne sie wären wir

traurige Figuren

im Welttheater

ohne sie wären wir

zahnloses Steppengetier

ohne Amouren

und blasse Hampelmänner

der herrschenden Klassen

ohne sie wären wir

widerliche Kotzbrocken

im Armeleutepuff

oder mit alten Barkassen

gestrandet im Suff

Gefolterter Bruder aus dem lodernden Osten

heut trinken wir

vom frischen Krug mit Schaum

heut lassen wir die Freunde kosten

von unserm alten Menschheitstraum

Kronreif bei den Inntönen

Peter Kronreif. Wirtschausdichter. Geboren 1950 in Hallein. Pensionierter Lehrer. Als Autor bisher aktiv in den Bereichen Kabaret, Drehbuch, Lyrik und Kurzprosa. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Eva Wingelmayer. Hunger (Textauszug)

Eva Wingelmayer. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Eva Wingelmayer. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Er hockte unter einem Felsenvorsprung, leerte alle Taschen seines Tarnanzuges und legte die Gegenstände vor sich auf das Geröll, als machte er Inventar seines Lebens. Mitch Ross, Deckname Rhabarber, Kennummer AS3Y: Drei Feuerwaffen mit Zusatzmunition, eine Handgranate, Tränengas, eine Gasmaske, ein Messer, zwei Leuchtraketen, eine goldene Rolex mit Kompass, überall in der Welt in Bargeld eintauschbar, ein Bleistiftstummel und Papier, zweihundert Dollar in kleinen alten Scheinen, genannt Türöffner, in der linken Brusttasche eine Zyankalikapsel, zwei Stück Traubenzucker, aber nicht zuDer abgestürzte Hubschrauben, und damit auch der Notvorrat an Essen, lag verkohlt tief unter ihm in einer Schlucht. Er hatte bereits viel zu viel Energie investiert, um dorthin zu gelangen, in der Hoffnung, etwas Essbares zu finden. Mit kühlem Kopf seine Möglichkeiten abwägend, hatte er sich mit dem Tuch seines Fallschirms ein Nest gebaut und die Gasmaske schützte ihn notdürftig vor dem eisigen Wind, der gegen die Felswand hämmerte, auf der er gelandet war. Er konnte weder vorwärts noch zurück. Er konnte nur warten, bis die Drohnen, die wie außerirdische Vögel den Luftraum über dem Hindukusch bevölkerten, auf das Metall des Hubschrauberwracks aufmerksam wurden und die Bürokratie in Langley ihren Lauf erschöpfte. Es konnte lange dauern, bis man ihn holen kam, und er ha essen.Er musste sich warm halten, damit die Sensoren ihn orten können, falls man überhaupt nach Überlebenden Ausschau hielt. Er untersuchte jeden Millimeter seines begrenzten Territoriums und entdeckte unter den Schneeflecken, die sich in den Gesteinsmulden verkrochen hatten, kümmerliche Pflanzen und mit seinem Messer grub er die winzigen Wurzeln aus, seine einzige Nahrung seit Tagen. Der Wind hatte Holzsplitter im Geröll hinterlassen, die er langsam kaute und mit viel Speichel vermischt schluckte, wie er es im Überlebenslehrgang gelernt hatte. Doch das alles half nicht gegen den Hunger.

In den Tagen und Nächten, die er bereits in der Felswand gefangen war, hatte er kein lebendiges Wesen entdeckt, weder Insekten, noch Käfer oder Würmer und wegen der Kälte auch kein Reptil. Er hätte sie mit einem Stein zermalmt und zur besseren Verdauung mit viel Sand wie ein Festmahl verspeist. Das einzige Wesen aus Fleisch und Blut in dieser steinernen Wüste war er selbst. Jedes Raubtier würde in ihm eine proteinhaltige Nahrungsquelle erkennen. Er war nichts anderes, als eine übergewichtige Portion Fleisch.

Die Raubtiere schauen mich an. Sie schauen mich an. Mit hungrigen Augen schauen sie mich an. Sie wollen mein Fleisch. Sie schauen mich an. 

Kundschaft. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Kundschaft. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Ich muss hier fort. Ich kann ihre Augen nicht  ertragen. Sie schauen mich an.

Er konnte es nicht verhindern, dass seine Gedanken immer wieder zu seiner letzten Mahlzeit im Swiss Hotel von Srinagar zurückkehrten. Er sah den vollen Teller vor sich, das saftige Steak und die goldenen Kartoffel, und er fragte sich, warum er nicht die Tomatenscheibe und das Salatblatt gegessen hatte, die den Tellerrand zierten. Er versuchte sich mit anderen Gedanken abzulenken, doch die Bilder von üppigem Essen drängten sich in den Vordergrund. Das war der Hunger.

Hunger beginnt im Kopf, hatte damals dieser Typ von irgendeiner Kirche erzählt. Diejenigen haben offenbar recht, die meinen, dass man Gelerntes irgend einmal braucht, auch wenn man als jugendlicher Schüler seine Sinne verschließt, weil man gezwungen wird, sich einen Lehrgang über Askese anzuhören. Jesus, der in die Wüste ging, um zu fasten. Hunger als Ausdruck der Demut gegenüber der Höheren Macht, Hunger als Mittel zur Überwindung der körperlichen Schwächen. Ein mentales Training, so wie man seine Muskeln stählt, seine Abwehrkräfte aufbaut oder sein Atemvolumen steigert. Oder wie man das Schießen übt……

(Auszug aus dem Text von Eva Wingelmayer: „Hunger“.

Eva Wingelmayer wurde 1948 in  Lilienfeld geboren und wuchs in Wien auf. Als Studienabbrecherin der 68er  Generation lebte sie 20 Jahre lang in Italien, wo sie den Aufstieg von der  Tellerwäscherin bis zur Exportmanagerin schaffte. 1992 kehrte sie nach Österreich zurück und beendete 2000 ihr Geschichtsstudium als Seniorenstudentin. Eva Wingelmayer lebt in Salzburg.

Homepage: eva-wingelmayer.at

Yve Gedl

yve gedl. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

yve gedl. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012, Andreas Kuntner

Boxstaatsmeisterin und Poetin. lebt in Salzburg und ist glückliche Mutter. Leider kein Textauszug von Yve…

Yve Gedl und Wally Rettenbacher. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. - POETISCHER - ACT - BEIN - FRISÖR am 21. August 2012. Mit Eva Wingelmayer, Franz Robert Achleitner, Peter Kronreif und Yve Gedl. Frisöre: Helmut Graupner & Denan Gianny Sehic. Regie: Andreas Kuntner. Technik: Wally Rettenbacher. — mit Wally Re und Yve Gedl..

Yve Gedl und Wally Rettenbacher. Foto: TOURISM: WUNDERKAMMER @ FRISUREN ALLER ART, Hallein. – POETISCHER – ACT – BEIN – FRISÖR am 21. August 2012. Mit Eva Wingelmayer, Franz Robert Achleitner, Peter Kronreif und Yve Gedl. Frisöre: Helmut Graupner & Denan Gianny Sehic. Regie: Andreas Kuntner. Technik: Wally Rettenbacher. — mit Wally Re und Yve Gedl..

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