141:Lange Nacht der GAV vom 8. April 2011

Gastgestalter Erich Klinger präsentiert in der 141. sendung summerau,96 auf Radio FRO  vier Hörbeispiele der Langen Nacht der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung, vom 8. April 2011, Landesbibliothek Linz.

Irmgard Perfahl: Gedichte aus dem Band „Worte balsamisch“

Alter

Wie mein Blick mir verschwimmt
verschwimmt mir mein Leben
nur manches tritt deutlich hervor
wofür ich mich schäme zum Beispiel
und wo ich versagt hab
Wie mein Blick mir verschwimmt
Irmgard Perfahl. Foto: Reinhard Winkler

irmgard perfahl_foto_reinhard winkler

verschwimmt mir mein Leben
nur wenig tritt deutlich hervor
warum nicht das Glück denn ich war doch
wohl manchmal auch glücklich?
Wie mein Blick mir verschwimmt
verschwimmt mir das Leben

Irmgard Perfahl ist Mitglied der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung. Biografie, Infos und Kontakt finden Sie auf der Homepage der GAV

Dietmar Füssel: aus „Leidenschaft“ – Lateinamerikanische Liebesgedichte

LOB DER EIFERSUCHT

Du solltest meine Eifersucht
nicht tadeln, sondern preisen:
Auch wenn sie dir lästig fällt
gereicht sie dir doch zum Vorteil:
Sie wird dich davor bewahren
dich fremden Körpern auszuliefern
verdorbenen, kranken Körpern
die auch den deinen verderben.
 
Lobe darum meine Eifersucht!
Sie wird dich davor bewahren
dass treulose, lüsterne Blicke
zu treulosen, lüsternen Taten werden.
Sie wird dich davor bewahren,
mich, die dich liebt, zu verlieren
die einzige Frau, die dich wirklich liebt
Dietmar Füssel. Foto: Monika Hemetsberger

Dietmar Füssel. Foto: Monika Hemetsberger

obwohl du es nicht verdienst.
Lobe darum meine Eifersucht!
Sie wird dich davor bewahren
als geiler Bock, der du bist
– du siehst, du bist durchschaut:
Du würdest doch alles bespringen,
was nicht bei drei am Baum ist –
mich, die dich liebt, zu verlieren
und es bis zum Tod zu bereuen.
 

"Leidenschaft". Covergestaltung Monika Hemetsberger

 Dietmar Fuessel ist Mitglied der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung. Biografie, Infos und Kontakt finden Sie auf der Homepage der GAV.
Hier noch eine schöne Fotostory zur Entstehung des Buches sowie seine Homepage
 

 

 

 Martin K. Menzinger: Auszug aus Theaterstück „Vollblutkirschen“

ADA SVENDBORG VON KOERNENRYIES

karbatsche jawohl mein lieber jan
 
ja denn im takt der karbatsche
prügelte ich dem kind klarissa
partitur für partitur prügelte ich
klarissa die musik ins fleisch
die musik ins blut
musikalität              jan
musikalität
 
mit dem prinzip züchtigung jan ja denn
mit dem prinzip züchtigung
prügelte ich das kind klarissa
so wie eine lipizzanerin im zirkus
prügelte ich das kind klarissa bis zur
spitzenkünstlerin jan
spitzenkünstlerin
 
(„vollblutkirschen“; (Auszug) M.K. Menzinger)

Martin K. Menzinger. Foto: Reinhard Winkler

 

Martin K. Menzinger ist Mitglied der Grazer Autorinnen undAutorenversammlung. Biografie, Infos und Kontakt finden Sie auf der Homepage der GAV

 
Waltraud Seidlhofer: aus dem Band „stadt-alphabet. 26 gedichte“.
 
i
stadt : die stelle
definition eines begriffs,
sammlungsdichte,
seit jahrtausenden raum.
und die miniaturen der wege,
unter die erde gezogen, kanaele,
thermenstrassen,
der umriss von haeusern,
auf die ebene plaene skizziert.
mailand bologna,
die geregelten flüsse,
uferboeschungen, steine, beton.
auf den geometrischen rissen
kreisen tuerme, entsteht symmetrie,
raeder greifen
um ein zentrum, um gaerten,
kirchen schimmern: erinnerte stadt.
 

Waltraud Seidlhofer. Foto: Reinhard Winkler

Waltraud Seidlhofer ist Mitglied der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung. Biografie, Infos und Kontakt finden Sie auf der Homepage der GAV. der Band STADTALPHABET ist beim Mitterverlag erschienen.

 

 

und Erich Klinger liest.einen kurzer Reisetext aus gebirgigen Regionen. 

Aufzeichnungen aus Lunz am See

Verspannt, nächtens leichte Krämpfe in den Füßen, doch es wird schon besser – also Morgenwanderung bis zum Bahnhof über den Ortshügel, am Foto- und Uhrengeschäft, einem der letzten Geschäfte im Ortszentrum rings um die Kirche, vorbei, Richtung Bahnhof durch eine schmale Gasse hinab zur Brücke über den Bodingbach, Fotos von einem Holzsteg über den Bach in Verbindung mit einem Lagergebäude aus Holz und dem alten Haus mit Eternitschindeln, das mich an Tschechien erinnerte, weiter zum Bahnhof, zum Holzsteg über die Ybbs (ois), zur Postersatzstelle und wieder den Hügel hinauf zum Uhrengeschäft, wegen der Weiterverwendung der Batterien von Fotoapparat und Uhr gefragt, die Besitzerin konnte leider nicht messen, „nix für ungut“, habe ich gesagt, dabei sind die Leute hier freundlich – klar, weil ich weiß, deutsch sprechend und offenbar Österreicher bin, Schlecker an Stelle des früheren Kaufgeschäftes mit Lebensmitteln, das jetzt nur mehr teilweise als (früher angeschlossenes) Gewand- und Kramerstandsgeschäft existiert, kein Wunder, ist doch der Uni-Markt im Ort präsent, was zwischen Imbissstube und Bushaltestelle Schule war, weiß ich nicht mehr, jedenfalls existiert dort nur ein Betonboden mit herausragenden Eisenteilen und Umzäunung, vermutlich hat das schon beim letzten Mal, als ich hier war, so ausgesehen.
Sammelplatz der Jugendlichen ist ein Unterstand bei der Bushaltestelle Schule sowie der neben diesem Unterstand aufgestellte Tisch mit zwei Bänken, kein Platz für Jugendliche im Ort. Den Uni-Markt gab es, glaube ich, das letzte Mal als ich mit meiner Schwester hier war und im Zellerhof übernachtete, auch schon, ich denke, das war im Juli 2006.
Erich Klinger

Erich Klinger. Foto: Edith Stauber

(Aus: „Aufzeichnungen aus Lunz am See“, 27. September 2011)

Erich Klinger ist Mitglied der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung. Biografie, Infos und Kontakt finden Sie auf der Homepage der GAV.  sowie auf seiner Homepage

sowie wally rettenbacher präsentiert eine Hörcollage berlin. titel: berlin, stilles resümee.  frau vida aus berlin. habe keine worte für berlin. frau vida spricht für mich. frau vida verkauft an drei tagen in der woche bilder am eingang einer u bahn haltestelle. ihre pension beträgt weniger als hartz 4. berlin erzählt sich selbst und deutschland auch und überhaupt: europa und die welt. das ende bedenken. das bedingungslose grundeinkommen für  lle fordern!

                                              sound: berlin, frau vida.

Wally Rettenbacher. Foto: Privat

intro/extro musik:  rotten apples berlin,

aus dem album „spaziergänge“

download: http://www.jamendo.com/de/album/72782).

hier findest du weitere fotos zu berlin sowie die Hörcollage

Die 141. summerau,96 Sendung vom 12.10.2011 kannst du im archiv der cba.fro.at nachhören.

Texte und Textauszüge/Gedichte online gestellt mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen und Autoren.

Copyright der Fotos: I. Perfahl, W. Seidelhofer, M. Menzinger bei Reinhard Winkler. Danke, Reinhard für die Fotos. Hier zur Homepage von Reinhard Winkler

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